| Johannes B. Kerner hat verloren! |
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Sonntag, 29. Juni 2008
viva espania!
PST
22:40h
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Aus gegebenem Anlass: PSTs bester Artikel
Zimmerli
19:19h
Auf der Suche nach dem verlorenen Spiel
Noch nie bei einer Weltmeisterschaft war es so schwer, als Deutscher gegen die deutsche Mannschaft zu fiebern Am Tag danach stehen Oliver Kahn und ich ziemlich allein da mit unserer Meinung: "Es gibt keinen Trost in solchen Situationen, und da kann man erzählen, was man will." Alle anderen, vor allem die Fernseh-Kommentatoren sind damit beschäftigt, die Niederlage in einen eigentlichen Sieg umzudeuten. Nicht einmal das gönnen sie mir, zu verlieren und sich ordentlich zu grämen. Nein, die Deutschen sind diesmal unfassbar gute Verlierer. Beim öffentlich-rechtlichen Warten auf den Auftritt des Vizeweltmeisters in Frankfurt spricht es Rainer Bonhof deutlich aus: "Der zweite Platz war für uns eigentlich der erste Platz." Kein Nachtreten, der Schiri sei schuld. Nichts. Noch nie bei einer Fußball-Weltmeisterschaft war es so schwer, als Deutscher gegen Deutschland zu sein – vor allem nach dem verlorenen Endspiel. Obwohl sich 74 Prozent der Deutschen noch kurz vor dem Spiel sicher waren, dass "wir" endlich wieder Weltmeister werden, trösten sich jetzt alle damit, man hätte sich das ja gar nicht träumen lassen, dass die deutsche Elf überhaupt so weit kommt. Selbst die taz übt sich am Montagmorgen nur in müdem Spott und kalauert: "Kahn ja mal passieren." Die Deutschen waren nicht gerade die Favoriten in diesem Jahr, habe ich mir von sportkundigen Bekannten erklären lassen. Trotzdem hatte ich mich am Sonntag auf unerträgliche nationale Feierlichkeiten eingestellt. Mein Eingetragener Lebenspartner hockte vor der Glotze und zappt zwischen ZDF und RTL 2 (Vorlauf zum großen "Teen Star"-Finale). Ich war nervös. Glücklicherweise versagte der große Kahn sehr schön gleich zweimal. Nach dem Abpfiff war ich gar so übermütig, dass ich mich dazu überreden ließ, zum Potsdamer Platz zu fahren, um nach jubelnden Brasilianern und deprimierten Deutschen Ausschau zu halten. Denn ich dachte, ich hätte etwas gesehen, was Bild am Montag als "Schuss ins deutsche Fußball-Herz" schlagzeilte. Ich dachte an Schmach und Schande. An Vorwürfe: "Der Fehler, der die WM entschied – Wie konnte Kahn das nur passieren?" (Bild). Im Nieselregen fuhr ich mit dem Fahrrad die Potsdamer Straße hoch und wurde immer häufiger von hupenden Autos überholt, bei denen eigenartigerweise überall Deutschlandflaggen aus dem Fenster wedelten. Erst an der Potsdamer Brücke sah ich die ersten Brasilianer, denen ich verhalten zuwinkte. Leider traute ich mich nicht, wie ein sympathisierender Fußgänger, den Fans per Handschlag zu gratulierten und "Brazil, where hearts were entertained in June, we stood beneath an amber moon..." zu singen. Ich hätte auch singen können, was Bild am nächsten Morgen versöhnlich jubelte: "Der Fußball-Gott muss Brasilianer sein." Aber das war nicht schlimm. Es hätte mir schon gereicht, den enttäuschten deutschen Fans beim Flennen zuzusehen. Aber nix da, am Potsdamer Platz spielten alle verkehrte Welt. Kaum grün-gelb, aber massig schwarz-rot-gold. Und die deutschen Fans jubelten. ("Auch in Deutschland alles Sambas", so Bild später). Was ging hier ab? Wir haben VERLOREN, Jungs, GAME OVER, alles vorbei, Olli hat’s vergeigt, es ist gegessen, ihr KÖNNT NACH HAUSE GEHEN. War den Leuten aber anscheinend sowas von egal. Die Vizeweltmeisterschaft musste ausreichen, um einen draufzumachen. Ein paar Rio-Karnevalisten waren zwar auch da, aber die wurden höflich ignoriert. Ich war beinahe beeindruckt. Überall lauter Zufriedenheit mit dem zweiten Platz. Und so passt es auch, dass Die Welt am nächsten Morgen positivistisch titelt: "Deutschland ist Vize-Weltmeister". Niemand nörgelt. Die FAZ stellt melancholisch fest: "Es sollte nicht sein: Deutschland bezwingt Brasilien." Doch am Sonntagabend, als diese Resümees noch nicht gedruckt waren, hoffte ich noch darauf, in all dem beharrlichen Nichteingestehen der Realität bei näherem Hinsehen doch noch genug massive anti-brasilianische Gewalt beobachten zu können, damit mein Weltbild wieder ins Lot geriet. Doch fast eine Stunde lang ging alles relativ gewaltfrei ab. "Brasilien siegt – Deutschland feiert", schreibt die Berliner Zeitung am Montag versöhnlicher, als mir lieb sein kann, und gibt doch die Stimmung wieder. Dann, endlich, bekam die Freundin eines Brasilianischen Fans, der etwas zu selbstsicher auftrat, eine Bierflasche an den Kopf geworfen. Sie wurde nicht verletzt, und eine Gegenreaktion blieb aus. Aber für mich, der ich langsam müde wurde, sollte das ausreichen, um mein Weltbild wieder bestätigt zu finden. Ich gratulierte dem Brasilianer noch schnell, worauf der mich einfach nur verdutzt ansah. Im Nachhinein denke ich mir, es sah wohl so aus, als hätte ich ihm dazu gratuliert, dass seine Freundin eine Flasche an den Kopf geworfen bekommen hatte. Mittlerweile war ich mental ziemlich im Eimer, ich bereute fast, dass die Deutschen nicht gewonnen hatten, denn in diesem Fall hätte ich ja zuhause bleiben und mich meiner Schwermut hingeben können. Als mich dann ein besoffener Fan spontan umarmte und mir "Es gibt nur einen Rudi Völler!" ins Ohr schrie, konnte ich nicht mehr angemessen reagieren. Unsouverän versuchte ich, mein Abweichlertum zu Erkennen zu geben, aber mein Ruf "Ronaldo!" wirkte wenig überzeugend. Die Depression, auf die ich gehofft hatte, und die die Süddeutsche Zeitung am nächsten Tag beschreibt – "Die Einsamkeit der Verlierer" – wollte einfach nicht aufkommen unter den Fans. Stattdessen kann die FAZ in ihrem Bericht triumphieren: "Selbst Grüne wickeln sich in Schwarz-Rot-Gold". Wenigstens auf diese Reflexe ist noch Verlass. Ich schaffte es am Sonntagabend noch, mich bis zur Gedächtniskirche durchzukämpfen. Ausschreitungen auch hier nicht in Sicht. Ja, trotz der Masse an Jubelvolk war hier sogar weniger Gewaltbereitschaft vorhanden als am Potsdamer Platz. Deutsche, Brasilianer, Türken und sogar einige Koreaner feierten hier ab, und das Feindseligste, was ich zu hören bekam, war "In vier Jahren machen wir euch platt!" Und das konnte nun wirklich niemanden erschüttern. Das steht am Montag etwas verschlüsselter sogar in eine "Müllermilch"-Anzeige: "Man sieht sich immer zweimal." Auf dem Heimweg sprach dann ein kleines türkisches Mädchen die simple Wahrheit aus, die die deutschen Fans irgendwie nicht begreifen wollten. Sie zickte ein paar Luschen, die des Hupens nicht müde wurden an: "Ey, was wollt ihr denn? Ihr habt verloren, Mann, was soll das denn?" Später erfuhr ich dann von einem Freund, dass Sabine Christiansen und Wolfgang Thierse in der ARD noch einmal medial nachvollzogen, was ich am Sonntag ganz unvermittelt miterleben musste, dass man so ziemlich auf alles stolz sein kann, wenn man es nur in die passende Relation setzt. Wer von beiden, Schröder und Stoiber, denn nun Kahn-ähnlicher sei, hat Christiansen tatsächlich in ihre Talkrunde gefragt. Und am Montagmorgen sagt Andreas Köpke, während er zusieht, wie sich der Frankfurter Römerberg füllt, weil Stunden später irgendwann die deutsche Mannschaft vorbeischaut: "Was hätte noch passieren können bei einem Sieg? Viel mehr Menschen hätten auch nicht hier sein können." Und da hat er in der Tat recht. ... Link (1 comment) ... Comment Donnerstag, 26. Juni 2008
Heul! "Wir" werden Europameister.
PST
01:45h
![]() Heute Frustfressen. Gewicht stagniert. Vielleicht sogar leichte Zunahme. Scheissegal: I'm grieving. It's a process. ... Link (0 comments) ... Comment ... Next page
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Last update: 2008-06-30 00:53 status
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die spanische inquisition hat nie
paella gegessen! .
by zi-wo (2008-06-30 00:53)
wieso pst? der schrieb ist
doch von affus.
by PST (2008-06-30 00:22)
dabei war er sich doch
gaaaaaaaaaaaaaaaaanz sicher.
ich geh jetzt erst mal deutschlandflagge verbrennen.
by PST (2008-06-30 00:20)
Und der blöde Jobmann hat
DOCH unrecht gehabt! Ätsch!!!
by Zimmerli (2008-06-29 23:50)
hahahahahahahahahahahahahaha! vor was soll ich
denn angst haben? vor der SPANISCHEN inquisition? hahahahahahahahahahahahahah! wohl kaum....
by PST (2008-06-29 23:09)
wehe dir unseeliger wenn du
mich vor die flinte kommst es wird nich gesprochen unseeliger...
by zi-wo (2008-06-29 22:58)
viva espania!
by PST (2008-06-29 22:40)
Aus gegebenem Anlass: PSTs bester
Artikel Auf der Suche nach dem verlorenen Spiel
Noch nie...
by Zimmerli (2008-06-29 19:19)
Heul! "Wir" werden Europameister.
Heute Frustfressen. Gewicht stagniert. Vielleicht sogar leichte Zunahme. Scheissegal: I'm grieving....
by PST (2008-06-26 01:45)
bissken. aber die farben sind
die gleichen.
by PST (2008-06-24 13:06)
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